Tandemtour 6. Dezember 2004 – 13. Februar 2005
Südinsel Neuseeland

Am 15.12.2004 um 4:53 Uhr 

Nach einem anstrengenden, aber guten Flug sind wir in Christchurch gut angekommen. Die Familie Zahner hat uns am Flughafen bereits erwartet. Heftige Erkältungen haben uns zuerst einige Zeit ins Bett gezwungen. Mit Tee, Honig und viel frischem Gemüse hat uns Ruth wieder auf die Beine gebracht. Nun sind wir seit drei Tage gut unterwegs. Es gefällt uns super! Heute machen wir Rast in Geraldine und Morgen gehts auf den Weg nach Lake Tekapo.

Am 21.12.2004 um 22:21 Uhr 

 

Wir sitzen nun im regnerischen Dunedin und machen uns einen freien Tag. Seit Geraldine haben wir schon viel erlebt und gesehen. So haben wir den Lake Tekapo und Pukaki besucht. In dieser Gegend mussten wir das erste mal gegen den Gegenwind kämpfen. Auf einer, sich neigenden, Strasse brachten wir es bei voller Anstrengung noch knapp auf 10 km/h. Einmal um die Kurve und nun mit Rückenwind auf gut 30 km/h. Die Tagesplanung wird so nicht gerade einfach. Weiter sind wir dann nach Omaru. Dort fuhren wir entlang einer Küstenstrasse die uns nur wenige Meter vom Meer trennte. Ein Möwe hat uns die ganze Strecke begleitet. Von Omaru sind wir in zwei Etappen nun in Dunedin gelandet. Wir haben in den letzten Tagen einige 95-km-Etappen bewältigt und brauchen nun einen Ruhetag. Total sind wir in NZ jetzt über 660 km gefahren.
Das Wetter hier ist noch nicht richtig sommerlich. Wir hatten 2 volle Regentage und auch 2 volle Sonnentage. Der Rest war immer eine Mischung aus Sonne, Wolken und Regen.
Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Im Landesinnern ist es eher karg, da der Wind alles austrocknet. An der Küste ist es üppig grün und buschartig.
Wir haben uns schon richtig ans Zigeunerleben gewöhnt. Das Zelten macht immer noch Spass, egal ob auf dem Camping oder wild. Unsere Teamarbeit läuft super, so dass die täglichen Arbeiten locker voran gehen. Gesundheitlich sind wir voll auf der Höhe. Auch das Tandem ist intakt, oder besser gesagt wieder intakt! Einmal mehr hatten wir einen dreifachen Speichenbruch! Das passierte auf einem Abstecher auf Schotter zu einem Leuchtturm. Philippe hat das aber wieder wunderbar geflickt und bis jetzt haelts.
Weiter gehts für uns jetzt alles an der Küste entlang nach Invercargill. Weihnachten werden wir somit mit Blick aufs Meer feiern.
 

 

Am 28.12.2004 um 3:27 Uhr 

 

Seit dem letzten Eintrag haben wir wieder viel erlebt. Wir besuchten die Halbinsel Peninsula. Dort besichteten wir die Yellow-Eye-Pinguine. Die kleinen Watscheltiere haben uns sehr begeistert. Danach besuchten wir noch die riesigen Albatrosse und auf dem Weg sahen wir noch einige Seehunde. Am nächsten Tag fuhren wir zurück nach Dunedin und dann weiter nach Milton. Es war der 24. Dezember. Auf einmal stand eine junge Frau am Strassenrand und rief: Hallo Schwiizer, Schoggi!" Etwas perplex haben wir angehalten und da hat sie uns eine Tafel Schokolade geschenkt! Wir freuten uns riesig! Später auf einer Schotterstrecke brach uns dann prompt wieder eine Speiche. Am Abend feierten wir mutterseelenallein auf einem abgelegenen Camping Weihnachten. Ein feines Essen, Kerzenlicht und Tannäste brachten uns in die richtige Stimmung. Natürlich gings am nächsten Tag gleich weiter. Wir fuhren die kurze Strecke bis Kaka Point und besichteten dort ein alter Leuchtturm und sahen sehr viele Seehunde, davon einer ganz nah. Einen Tag später hatten wir dann wieder viel Gravel Road vor uns. Die Gegend in den Catlins ist wunderschön. Der Busch ist so richtig Dschungelmässig. An diesem Tag erneuerten wir unseren Geschwindigkeitsrekord auf 80.2 km/h. Leider brach später wieder eine Speiche aber das trübte unsere Stimmung wenig. Als wir die Catlins an diesem Abend verliessen blies uns ein starker Gegenwind fasst vom Sattel. Später konnten wir das Tandem nur noch stossen! Wir fragten auf einer Farm nach Unterschlupf. Hinter dem schützenden Gartenmäuerchen durften wir das Zelt aufstellen. Die Einheimischen sind so was von freundlich und sehr an unserem Tun interessiert. Nun sind wir mit viel Gegenwind doch noch in Invercargill gelandet. Hier frischen wir nun unsere Vorräte auf und lassen das Tandem durchchequen. Morgen gehts dann weiter Richtung Te Anau. Dort werden wir den Silvester verbringen und dann nach Milford Sound starten.
Unsere Laune ist nach 1150 km noch immer auf Hochstand und wir erfreuen uns im Moment an richtigem Sommerwetter (leider wartet die naechste Regenfront bereits). 

Am 5.1.2005 um 4:50 Uhr 

 

Schon wieder sind einige Tage wie im Flug vergangen. Als erstes möchten wir euch allen ganz herzlich für die Gästebucheinträge und Emails bedanken. Wir freuen uns immer sehr darüber. Als zweites wünsche wir natürlich auch noch "HAPPY NEW YEAR"! Wir hoffen ihr seid alle gut gestartet.
Nun zu uns, wir haben am letzten Morgen in Invercargill noch unser Hinterrad von einem Fahrradmech neu zentrieren lassen. Danach sind wir in zwei Tagen nach Te Anau geradelt. Das Wetter war perfekt zum velofahren. Am ersten Tag sahen wir an einem Aussichtspunkt einige Delphine im Meer schwimmen. Am zweiten Tag knackten wir mit 109 km erstmal unsere Hundert-Kilometer-Tageslimite. Dafür konnten wir am Silvester dann ausschlafen und uns für die Party am Abend im Pub vorbereiten. Wir sind inmitten vieler Farmer gut gerutscht. Einen Tag gönnten wir uns noch als Erholung. Dann machten wir uns auf Richtung Milford Sound. Leider mussten wir dieses Unterfangen vor dem Start der 2. Etappe abbrechen. Philippes Traum, der Hommer Tunnel mit dem Tandem zu durchfahren, platzte. Aber diese Geschichte erzählen wir erst zu Hause. Ich sage nur, 2 gegen 10000, das kann nicht gut gehen! Also sind wir nach Te Anau zurück und haben eine Bustour gebucht. Der Ausflug mit der Übernachtung auf dem Schiff im Milford Sound genossen wir dann umso mehr. Wir waren ueberwältigt.
Ab morgen sind dann unsere "Ferien" definitv beendet und wir starten nach Wanaka. Einen kurzen Stopp werden wir noch in Queenstown machen. Wir freuen uns wie wild aufs radeln. 

 

Am 17.1.2005 um 0:14 Uhr 

 

Endlich schaffen wir es wieder einen Bericht zu erstellen. Seit Te Anau sind wir bereits wieder 600 km geradelt und nun in Greymouth. Bei schönstem Sommerwetter fuhren wir in zwei Tagen nach Queenstown. Das ist die Touristenmetropole in NZ. Eigentlich ein herziges Städtchen, aber für unseren Geschmack viel zu kommerziell. So sind wir gleich am nächsten Tag weiter. Bei strömenden Regen haben wir die höchste asphaltierte Strasse (1075 müM) in Angriff genommen. Leider konnten wir die Aussicht wegen Nebels nicht geniessen. Auf der Passhöhe freuten wir uns auf die 40 km lange Abfahrt. Doch, oh Schreck, bei unserem Vorderpneu war der Mantel gerissen. Vorsichtig und langsam bewältigten wir die ersten 15 km. Doch die Beule wurde immer schlimmer. Also hiess es anhalten und "stöpplen". Bald hielt ein Auto an und ich konnte mit Gepäck einsteigen. Philippe fuhr dann mit "Halblast" noch bis Wanaka. In Wanaka kauften wir einen neuen Pneu und ab ging's Richtung Westküste. Die Strecke führte wunderschön an verschiedenen Seen entlang, durch Regenwald und über einen kleinen Pass. Endlich sahen wir wieder einmal das Meer und genossen in Haast den schönen Sandstrand. Leider wurden wir seit einigen Tagen wieder von den gleichen 10000 verfolgt, die uns auf dem Trip in den Milford Sound verärgert hatten. So fuhren wir den ganzen Tag möglichst schnell. Verpflegen war nur auf dem Tandem möglich, denn sobald wir anhielten wurden wir wieder eingeholt! Aber trotzdem genossen wir es weite Strecken am Meer entlang oder im dichten Regenwald zu radeln. In Fox Glacier konnten wir die Verfolger abhängen und haben seither Ruhe. Im Fox und Franz Josef Glacier werden verschiedene Gletschertouren angeboten. Auch wir verbrachten einen halben Tag mit Steigeisen in Gletscherspalten. Es war sehr eindrücklich sich in diesem blauen Eis auf knapp 400 müM zu bewegen. Dies sind übrigends zwei Gletscher, die seit einigen Jahren wieder wachsen. Leider hatten wir in Franz Josef Glacier noch entdeckt, dass unsere hintere Felge einen groben Riss hat. Da wir die nächsten 200 km wieder im Niemandsland wären, beschlossen wir mit dem Bus bis Greymouth zu fahren. Schweren Herzens luden wir das Tandem auf den Anhänger und fuhren so in 3 Stunden eine Strecke für die wir 2 Tage benötigt hätten. Nun sind wir hier in Greymouth und lassen eine neue Felge einspeichen. Die alte Felge hatte insgesamt gut 4000 km unter Hoechstlast auf dem Buckel. Wir merken, dass unser Material an extremen Belastungen ausgesetzt ist. Sei es das Zelt bei starkem Wind, unsere Regenkleider bei Regen oder eben unser Tandem bei diesen vielen Kilometern. Aber solange wir diese Defekte immer beheben können sind es nicht wirkliche Probleme. Hauptsache wir sind Gesund und können morgen wieder starten. Wir planen nun eifrig die zweite Halbzeit und werden ungefähr noch 1000 km zurücklegen. Statt wie geplant über den Arthurs Pass werden wir bis nach Nelson fahren und an der Ostküste zurück nach Christchurch. So hätten wir dann die ganze Südinsel umrundet. Aber wir wissen, dass diese Pläne sich täglich ändern können. So geniessen wir heute unseren ersten Regentag an der Westküste bei Kaffee, Muffins und faulenzen und freuen uns, dass der Wetterbericht für Morgen wieder Sonnenschein ankündigt.
Alle die jetzt denken bei diesen Pannen würde unser Traum langsam zum Alptraum täuschen sich. Unsere Reiselust ist ungebrochen und wächst täglich. Die Gespräche mit den vielen anderen Tourenradlern zeigen, dass alle mit den gleichen Sorgen kämpfen. So werden immer Tips und Tricks ausgetauscht. Diese Hilfsbereitschaft und Anteilnahme untereinander ist für uns eine ganz besondere Erfahrung.
 

 

 

Am 27.1.2005 um 23:56 Uhr 

 

Zuerst zum Wetterbericht: Seit Greymouth Sonne, blauer Himmel und 25 Grad. Die Regenkleider haben wir zu unterst im Gepäck verstaut.
Heute geniessen wir einen Ruhetag in Picton. Von Greymouth sind wir in 2 Tagen nach Westport geradelt. Unterwegs haben wir noch die Pancakes Rocks besichtigt. In Westport haben wir die Küste wieder verlassen. Zwei Tage lang sind wir durch ein Tal einem River entlang gefahren. Zu Fuss haben wir noch die längste Hängebrücke von Neuseeland überquert. Es hat schon ziemlich geschaukelt! Einen Tag später erreichten wir dann wieder das Meer. Wir waren nun am nördlichsten Punkt unserer Reise angelangt. Kaiteriteri ist ein kleines Dörfchen mit einer wunderschönen Beach. Erstmals kamen die Badehosen zum Einsatz. In Kaiteriteri stellten wir das Tandem für zwei Tage in die Ecke. Wir packten unser Gepäck in ein Kayak und erkundeten so den Abel Tasman Nationalpark. Das Paddeln forderte unseren Armen alles ab, dafür konnten sich die Beine erholen. Die Gegend dort ist wie aus dem Ferienprospekt, einsame Strände, Palmen, Klippen und Meer. Wir kochten, assen, sünnelten und zelteten am Strand. Zeltaufbau im Sand war wieder eine neue Erfahrung! Nach dem Kayaktrip musste die ganze Ausrüstung entsandtet werden.
Weiter ging es wieder mit dem Tandem. In Nelson machten wir uns einen freien Nachmittag und gönnten uns einige Stunden in der schönen Stadt. Morgen werden wir nun die letzten 800 km in Angriff nehmen. Die Gegend hier ist sehr fruchtbar. Oft hat es am Strassenrand Stände mit frischen Beeren, Kiwis oder Kirschen. Solche Desserts sind uns immer willkommen. Auch wimmelt es hier von Radreisenden, sogar ein Tandem mit Anhänger haben wir getroffen. Das war ein "Hallo"!
Wir sind immer noch voll im "Radel-Fieber" und können uns nicht vorstellen, dass es schon bald vorbei sein soll! 

 

Am 7.2.2005 um 1:34 Uhr 

 

Am 4./5. Februar war hier in NZ das Coast-to-Coast Rennen. Athleten durchqueren in 1 oder 2 Tagen das Land von West nach Ost mit dem Rennrad, Kayak und den Laufschuhen. Spontan starteten wir in Kaikoura unser eigenes Coast-to-Coast Projekt. Statt Richtung Christchurch sind wir nochmals in Richtung Westküste abgebogen. Wir fuhren 100 km auf einer Nebenstrasse durch ein einsames Tal nach Hanmer Springs. Unterwegs üeberholte uns nur gerade eine Handvoll Autos und wir erfreuten uns an jedem Schaf, das wir erblickten. Dort bädelten wir in den heissen Thermen bis wir schrumpelig waren. Über den Lewis Pass radelten wir dann an die Westküste. Die Ganze Küste erlebt im Moment einen tollen Sommer und die Einheimischen stöhnen unter der Rekordhitze. In Reefton hatten sie mit 28.8 Grad den heissesten Tag seit 41 Jahren. Wir genossen es und bestaunten nochmals die tolle Landschaft. Am fünften Tag waren wir dann auf der offiziellen Rennstrecke unterwegs. Bei der Übernachtung im Garten eines Hotels kamen wir erstmals in den Kontakt mit den Sportlern. Die einen machten bereits einen etwas lädierten Eindruck. Wir waren fit und überquerten den Arthurs Pass, der bis zu 16 Steigungsprozente hat. Auf der Strecke wurden wir von den zahlreichen Betreuern angefeuert. Mittagsrast hielten wir an diesem Tag in einer Wechselzone vom Rad ins Kayak. Es war sehr spannend das Ganze mit zu erleben. Als wir einen Tag später in Christchurch einfuhren war das Zielgelände bereits im Abbau! Für die komplette Strecke benötigten wir 7 Tage während der schnellste Athlet die Hälfte in 11:23h absolviert! Okay, mit einem Betreuungsteam wären auch wir schneller! Aber wir sind stolz auf die 630 km und die 4 Pässe.
Nun relaxen wir in Christchurch. Heute ist shopping angesagt und morgen gehts auf eine Biketour ohne Gepäck. Danach werden wir uns wieder bei der Familie Zahner einquartieren und unsere Heimreise vorbereiten.
Wenn wir uns nach 3500 km im Sattel vorstellen wieder 8.5h auf dem Bürostuhl zu sitzen, tut uns direkt der Hinter weh! Beim Eintreffen in der Grossstadt merkten wir, dass unsere innere Uhr etwas langsamer tickt. Wir gewöhnen uns nun Tag für Tag wieder etwas an die Betriebsamkeit, Lautstärke und Hektik. Also, falls wir die ersten Tage in der Schweiz etwas "näb de Schue" sind, habt etwas Geduld mit uns!
Unsere fantastische Tandemtour in Neuseeland geht nun zu Ende, doch der Traum geht weiter... 

 

 

Total

Pannen
5 gebrochene Speichen
1 Plattfuss
1 Mantelriss
1 Felgenriss

Übernachtungen
5 x bei Familie Zahner
1 x Schiff Milford Wanderer
2 x Flugzeug
56 x Zelt

Fahrleistung
3727 km
max. 80.2 km/h