Unser erste Tandemtour

Dienstag, 12. August 2003 Wetter sonnig und heiss!

Puuh, die frische Brise auf dem Gotthardpass ist eine Erlösung!

Am Montag haben wir noch das Tandem fertig an unsere Bedürfnisse angepasst und danach zu Priska und Klaus zum grillieren! Nach einer etwas kurzen Nacht starteten wir voll motiviert in Schattdorf. Am Anfang gings noch etwas wackelig vorwärts! Aber bereits auf der Strecke nach Erstfeld kam die Dynamik und Harmonie. Upps, erster Wegweiser verpasst. Ob ich wohl besser vorne sitzen würde?? Die ersten Aufstiege bewältigten wir bravourös. In Wassen wurden wir von Touristen mit der Videokamera eingefangen und mit Applaus unterstützt. Na das ist noch etwas gewöhnungsbedürftig aber auf jedenfalls aufbauend. Beim Kraftwerk Göschenen legen wir die Mittagspause ein. Die erste Lektion bezüglich Mittagspausen war: Ein schattiges Plätzchen und wenn möglich eine Wasserquelle! Gestärkt ging’s in die Schöllenen. Der Teufel ist uns nicht begegnet und wir sind heil in Andermatt angekommen. Nach einer ausgiebigen Pause nahmen wir den Gotthardpass in Angriff. Es war sehr heiss! Meine Oberschenkel wurden auch von innen her heiss. Wir bekamen eine Ahnung, was uns am nächsten Tag erwarten wird! Aber keine fünf Minuten auf der Passhöhe ist alles vergessen und nur noch halb so anstrengend. Im Hospiz hatten wir uns ein Zimmer reserviert. Nach der wohltuenden Dusche besichtigten wir noch das Gotthardmuseum. Ein feines Z’Nacht und ab ging’s unter die rot-weiss-karierten Bettanzüge.

 

Mittwoch, 13. August 2003 Wetter sonnig und warm!

Ulrichen ist traumhaft….

Heute stand die geplante Königsetappe auf dem Programm. Am Morgen nahmen wir dick eingepackt die Abfahrt nach Airolo in Angriff. Wunderschön bis auf die letzten hundert Meter auf Kopfsteinpflaster! In Airolo haben wir uns mit Proviant eingedeckt und los ging’s Richtung Val Bedretto. Die Gegend ist wunderschön und um diese Tageszeit friedlich. Die Strasse stieg konstant aber erträglich an. Beim Mittagsrast hatten wir das letzte Dörflein hinter uns gelassen. Bereits spürten wir die Ermüdung. Doch wir wussten, das schlimmste steht uns noch bevor. Gestärkt und ein wenig ausgeruht nahmen wir den Kampf wieder auf. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel und vor unseren Augen schlängelte sich die Strasse immer höher hinauf. Meine Oberschenkel fühlten sich an wie Feuer. Einige Schlücke aus der Trinkflasche und die Traubenzucker brachten nur noch kurzzeitige Energieschübe. Ich war sehr glücklich als wir auf dem Nufenenpass ankamen. Auf der Passhöhe war es kühl und windig. Im Restaurant gönnten wir uns eine warme Suppe. Wir freuten uns riesig auf die Abfahrt. Ulrichen erreichten wir in kürzester Zeit. Das Verhältnis zwischen Auf- und Abstieg ist irgendwie nicht ganz gerecht! Im Hotel Astoria fanden wir eine angenehme Unterkunft. Nach dem Duschen genehmigten wir uns ein Apero und lasen Zeitung. Interessant war natürlich der Wetterbericht. Ein grosse Portion Pasta soll unseren Energiehaushalt wieder ins Lot bringen.

 

Donnerstag, 14. August 2003 Wetter teilweise bewölkt und Gewittermeldung

Unser Tagesziel ist in die Nähe von Gampel…

Laut Veloroute ?? soll es heute ein gemütlicher Tag werden! An der Rhone entlang ging es auf schönen Strässchen durch Wälder und Wiesen. Vorbei an kleinen Dörfen oder Mitten durch einen Campingplatz. Wir genossen die leichte Fahrt und ließen uns von den aufsteigenden Gewitterwolken nicht beeindrucken. In Niederernen schlug die Veloroute einen Umweg über Binn vor. Somit könnte ein Teil verkehrsreiche Strasse umgangen werden. Da wir zeitlich gut unterwegs waren befolgten wir den Rat. Nach einem leichten Anstieg ging es endlos in ein abgelegenes Tal. Weit und breit keine Velowegweiser mehr. Nach einem langen dunkeln Tunnel kam das Dörfchen Binn. Oho, Schon wieder eine Abzweigung verpasst! Also zurück durch die Finsternis. Und tatsächlich war da eine Abzweigung markiert. Der Weg war steil abfallend und sehr steinig. Wir konnten nur kurze Strecken fahren. Auf der Talsohle ging's über eine romantische Brücke und auf der anderen Seite gleich aufwärts. Während wir das Tandem mit viel Schweiss wieder den Berg hinauf stossten verdichteten sich die Gewitterwolken am Himmel. Doch damit nicht genug! Als der Weg endlich wieder fahrbar wurde fehlte unserem Hinterreifen die Luft! Bei einem kleinen Kappelchen konnten wir den Platten beheben und gleichzeitig im trocknen Mittagsrast halten. Die weiter Fahrt verlief dann Gott-sei-Dank problemlos. In Brig deckten wir uns dann gleich noch mit neuem Flickzeug ein, man weiss ja nie!! Trocken erreichten wir Gampel. Bei einem ältern Pärchen fanden wir für diesen und für Montag Abend ein Zimmer. Gleichzeitig konnten wir das Tandem während dem ganzen Openair bei ihnen stehen lassen. Ziemlich müde ging's danach noch aufs Openair-Gelände. Ein Bierchen und uns haute es schon fast vom Hocker...

 

Freitag - Sonntag, 15.-17. August 2003 Wetter regnerisch, sonnig

Openair, wir kommen...

Priska und Klaus brachten uns unser Openair-Zubehör und ab ging's ins Getümmel. Gemütliche Tag und Nacht mit fetziger Musik und ausgezeichnetem kulinarischem Angebot. Ziemlich müde kehrten wir am Sonntagabend zu unserem Zimmer und Tandem zurück.

 

Montag, 18. August 2003 Wetter bewölkt und regnerisch

Und es geht weiter...

Nach einem kräftigen Frühstück ging's endlich wieder los. Eine extra Runde durch das trostlose, verlassene und mit Abfall übersäten Openair-Gelände musste sein. Zügig ging's hinunter durch das Wallis. Die Regenfront war immer dicht hinter uns her. Zwei Mal suchten wir unter einer Autobahnbrücke Unterschlupf vor einem kräftigen "Gutsch". Die Mittagspause machten wir unter einem Vordach eines Hauseinganges. Unser Tagesziel wäre eigentlich die Gegend um Martigny gewesen. Aber dank Rückenwind und nur äusserst kleinen Aufstiegen schafften wir es bis Aigle. In einem kleinen Hotel fanden wir ein Zimmer. Das allabendliche Ritual mit duschen und Kleiderwaschen wurde durchgezogen. Danach schlenderten wir noch etwas durch das sehr charmante Städtchen. Die Route von morgen musste auch noch ausgefeilt werden.

 

Dienstag, 19. August 2003 Wetter sonnig

Mein Lieblingspass steht heute auf der Menükarte...

Nach einer lauten Nacht wälzten wir uns am Morgen etwas schwer aus dem Bett. Aber ein feines Frühstück und die Aussicht auf einen weiteren Pass stärkte uns. Und los ging's Richtung Col de Mosse. Die Gegend ist wunderschön. Alles ist grün und sanft gehügelt. Der Ausblick nach Verbier brachte uns Lust auf Skifahren.. doch weiter ging's auf der heissen Strasse. Mittags erreichten wir die Passhöhe und hielten auch Rast. Die Abfahrt durch die waldige Passstrasse war sehr erholsam. Und auch weiter durch das Saanetal wurden wir von einer traumhaften Landschaft entschädigt. Langsam konnten wir verstehen was so viele Leute nach Gstaad zieht. Bis Zweisimmen wollten wir es heute schaffen. Wir fanden ein nettes Hotel, jedoch ziemlich teuer. Aber auf dem Tourismusbüro meinte man das sei ein echtes Schnäppchen. Philippe gibt langsam mein Appetit zu denken. Inzwischen brauche ich fast die gleiche Menge Nahrung wie er und meistens noch ein bisschen Schokolade zum Dessert! Aber die Beinarbeit und frische Luft wirkt sich halt auch auf meinen Organismus aus....

Mittwoch, 20. August 2003 Wetter sonnig

Wollen wir schon nach Hause? Nein!

Am Morgen entscheiden wir uns für die rasante Abfahrt auf der Hauptstrasse statt der umwegreiche Veloweg. Dank wenig Verkehr können wir die Schussfahrt voll geniessen. Noch immer verzaubert uns die Gegend. Doch je näher wir nach Interlaken kommen umso näher kommen auch Berge. Aber gerade diese Berge beginnen uns zu inspirieren. Als wir kurz vor Mittag Interlaken erreichen geht es los mit den Spekulationen. Eigentlich würden wir es heute noch über den Brünig nach Hause schaffen, aber das wollen wir nicht... also weitere Pläne! Wir entscheiden uns mal mindestens noch einen Tag anzuhängen und fahren gemütlich nach Meiringen. Dort wird wieder die Karte hervorgepackt. Tja wir könnten doch über Grimsel und Furka nach Hause... Selber etwas erschrocken von dieser Idee wurde sie von Philippe mit Begeisterung aufgenommen. Wir hatten ja noch eine halbe Woche Zeit... In Innertkirchen fanden wir Unterschlupf im Hotel. Kaum waren wir drin ging ein ziemlich heftiges Gewitter los. Im Anbetracht auf die morgige Tour gingen wir zeitig ins Bett.

 

Donnerstag, 21. August 2003 Wetter bewölkt

Endlich wieder ein richtiger Pass...

Ich war dankbar, dass heute die Sonne einen freien Tag macht. Die Temperaturen waren angenehm zum radeln. Wir kauften Proviant für die nächsten zwei Tage ein und ab ging's. Schon bald fings an zu steigen. Wir merkten, dass wir die letzten Tage keine "richtigen" Pässe mehr erlebt hatten. Aber es machte Spass. Auf der Grimsel Staumauer machten wir Mittagsrast. Kurz nach dem Rast erreichten wir das Hotel Grimsel, jedoch die Passhöhe war noch deutlich entfernt. Wir waren nicht sicher ob es auf der Passhöhe auch noch Übernachtungsmöglichkeiten gab. Der Gedanke daran diesen Aufstieg zweimal zu machen war nicht gerade erbaulich. Trotzdem entschieden wir uns auf gut Glück die Passhöhe zu erklimmen. Und siehe da, Hotels in Hülle und Fülle. Nach dem einchequen, duschen und waschen genossen wir die fast schon kühlen Temperaturen in dieser Höhe. Während dem Nachtessen gab es wieder ein kräftiges Gewitter was zu einer gemütlichen Abendstimmung führte. Müde gings früh in die Betten.

 

Freitag, 22. August 2003 Wetter sonnig

Und gleich noch einer...

Also die letzte Nacht hatten wir uns etwas anders vorgestellt. Die Holzbetten im Hotel sahen nicht nur alt aus sonder sie waren echt aus der Steinzeit. Philippe konnte in dieser "Schüssel" sehr schlecht schlafen. Dafür haben wir jetzt schöne Fotos von der Morgenstimmung auf dem Grimsel. Die Gedanken an den letzten Pass beflügelten uns. Rasch ging es hinunter nach Gadmen und mit Schuss gleich weiter Richtung Furka. Aus lauter übermut setzten wir kurz vor der Passhöhe noch zu einem Rennen mit zwei anderen Radfahrern an! Und wir gewannen! Mit dieser rassigen Einfahrt auf der Passhöhe erregten wir ziemlich Aufmerksamkeit. Doch kaum waren wir oben, kam schon das erste Mal Wehmut auf. Uns war klar bald sind die tollen Tandemferien vorbei. Die Abfahrt nach Realp und anschliessend in Urner Unterland konnten wir so Richtig auskosten. Und im verlauf des Nachmittags trafen wir müde aber total glücklich in Schattdorf ein. Das Tandem wurde wieder umgerüstet und dem Vermieter zurück gegeben. Wir zwei fuhren mit dem Auto zurück nach Stans. 

 

Statistik
Fahrtage
Pausen-Tage
Kilometer
Pässe
8
3
598
5