Wir brauchen einen Plan B…

Noch immer haben wir die kalten Tage von Tasmanien im Kopf. So geniessen wir das Sommerwetter ab Melbourne umso mehr. Wir verabschieden uns von der Küste und fahren Inland Richtung Westen. Einige Tage folgen wir dem Murray River. Der River-Track ist ganz nach unserem Sinn: ein gemütlicher Track, einsame Campplätzchen und endlich wieder Lagerfeuer-Zeit. Eines Abends passieren wir einen bereits besetzten Platz. Wir winken und fahren weiter. Plötzlich bemerkt Philippe im Rückspiegel dass die Frau aufgeregt winkt. Wir halten an und fahren zurück. Die Berner, Gabi und Reto mit ihrem Bremach haben unser Nummernschild erkannt. Wir geniessen einen langen und gemütlichen Schweizerabend am Feuer. Am nächsten Tag kommt noch ein weiteres Schweizer Päärchen mit einem Duro dazu. Wir wollen aber weiter und so verabschieden wir uns nach dem Mittag. Am nächsten Tag holt uns eine Regenfront ein. Grundsätzlich kein Drama – aber der Rivertrack verwandelt sich in eine unglaubliche Schlammpiste. Glücklicherweise schaffen wir es bis zum rettenden Asphalt. Eine Autowäsche war danach aber der erste Programmpunkt. 

Der Flinders Range Nationalpark wurde Anfangs März nach der Sommerhitze wieder geöffnet. Da die Temperaturen under 30 Grad sind fahren wir in den Park. Wieder mal hätten wir eine Zwei-Tages-Wanderung im Blick. Die ist aber aktuell noch gesperrt und so begnügen wir uns mit kürzeren Wanderungen und geniessen die Tage in der Umgebung von Wilpena Pound sehr. Nach einem langen Fahrtag erreichen wir Iron Knob. Ab hier hätten wir wieder mal ein Offroad-Abenteuer geplant. Richtig, „hätten“ – jetzt beginnt für uns definitiv die „Plan B Zeit“. Am Abend entdecken wir, dass wir Diesel verlieren. Philippe meinte, es könnte der Dieselfilter sein. Klar ist, mit einem Leck gehen wir nicht auf Piste. Am nächsten Morgen fahren wir ins nächste Dorf und wechseln auf einem Parkplatz den Dieselfilter. Die nächsten Kilometer werden zeigen ob’s das war – ja und es war das. Wir fuhren nicht zurück zur Offroadstrecke sondern gaben Vollgas Richtung Ceduna. An einem wunderschönen Camping verbrachten wir einige Zeit mit netter Nachbarschaft. Wir rüsten uns für die bekannte Nullarbor Strecke: von Ceduna bis Norsemann gut 1’300 lange Kilometer. Die erste Nacht vollen wir auf einer Klippe verbringen. Das Meer, die Cliffs und der Wind ist recht eindrücklich. Gegessen wird drinnen und zum Schlafen fahren wir noch ein paar Meter zurück – wir wollen ja nicht weggeblasen werden. Da das „abgesagte“ Offroad Abenteuer noch etwas an uns nagte entschieden wir uns in Cocklebiddy einen Abstecher ans Meer zu machen. 30 Kilometer Track am späteren Nachmittag – no worries! Wir erreichten das Ende, des anspruchsvollen Tracks erst in der Dunkelheit. Zum Meer wären es sogar noch weiter gewesen. Anstatt einem Beach Tag einzulegen entschieden wir uns wieder zurück zu fahren – die Strecke war uns nicht ganz geheuer. Aber wir kamen Problemlos wieder zur Hauptstrasse zurück. Der nächste Abstecher sollte in Balldonia sein. Dort ist der gewählte Track aber seit den Bushfires im Dezember 19 gesperrt. Somit wieder einmal Plan B. Wir biegen in Norsemann ab noch Norden und fahren nach Kalgoorlie. Dort besuchen wir die riesige Goldmine „SuperPit“. Mit einer geführten Tour können wir in die Mine reinfahren und bekommen einen sehr interessanten Einblick. In Kalgoorlie bekommen wir nun das erste Mal auch die Auswirkungen des Corona Virus zu spüren über. Die Gestelle im Laden sind halb leer, das Desinfektionsmittel ausverkauft und die Leute treten einen Schritt zurück wenn sie merken, dass wir aus der Schweiz kommen. Wir versuchen ruhig zu bleiben und uns nicht von all den Hiobsbotschaften aus Europa nervös zu machen. So starteten wir trotz etwas wechselhaftem Wetterbericht auf den Holland Track Richtung Süden. Der Track ist wunderschön und eigentlich einfach zu fahren – bei trockenem Wetter. Die vielen Auswaschungen und teilweise noch gefüllten Wasserlöcher lassen erahnen was da bei Regen abgeht. Für uns heisst das: so schnell wie möglich durch. Wir fahren bis zur Dunkelheit und sind auch am Morgen vor Tagesanbruch wieder unterwegs. Dank unserer LED-Lichtbar geht das Fahren in der Nacht sehr gut. Noch vor dem Regenwetter erreichen wir wieder „festen“ Boden. In Hyden besuchen wir den bekannten Wave Rock. Im Reiseführer steht, dass es schwierig ist aufgrund der vielen Besucher tolle Fotos zu machen und empfiehlt frühmorgens oder Abends dort zu sein. Wir verbinden die Besichtigung mit einer Wanderung und sind Mittags dort – praktisch Alleine! Das Corona Virus zeigt nun auch in Australien deutliche Auswirkungen.

Etwas verunsichert über die weiteren Massnahmen der Australischen Behörde und unserer eigenen Pläne entscheiden wir uns für ein TimeOut. Wir gesellen uns zu den Hamsterkäufern, bunkern Wasser und Lebensmittel und fahren an die Quagi Beach. Ein kleiner NP-Camping, windgeschützt, ein schöner Strand in Spaziernähe, Felsen zum fischen und kein Internet. Hier schreibe ich auch diesen Bericht. Wir spüren wie uns die Ruhe gut tut. Wir können im Moment weder zu Hause helfen, noch hier Bäume versetzen. Australien hat die Landes- und Staatsgrenzen geschlossen. Die Restaurants, etc. sind zu und es gilt Social Distancing. Aber wir sind gesund, befinden uns im grössten Staat, haben genug zu essen und sind autonom unterwegs. Also bleiben wir an diesem schönen Ort und machen das Beste aus der Situation…

3 thoughts on “Wir brauchen einen Plan B…

  1. Hoi zusammen, auch wenn wir bis jetzt nichts von uns hören liessen, denken wir sehr oft an Euch. Besten Dank für all eure spannenden Berichte und die tollen, inspirierenden Fotos. Ich habe Sie alle verschlungen. Wir freuen uns, dass es trotz Corona euch gut geht. Für uns ist die Situation schon sehr speziell. Zum Glück haben wir einen Grüngürtel um die Wohnung, da kann ich mich bei schönem Wetter die Zeit im Garten vertreiben. Und wenn das Wetter nicht gartentauglich ist, dann arbeite ich an meiner nächsten Iffel. Zum Glück waren wir im September noch auf Elba (wunderschön) in den Ferien mit unserem VW Caddy Maxi Beach. Dann folgte Ende September (220 Jahre Soworrow) die 3-tägige Begleitung der ca. 50 Russen ab Altdorf in Richtung Muotatal über den Chienzigpass, dann über den Pragelpass und ein Teil von Panixer von Pignu aus. Über den Panixerpass lag für uns zu viel Schnee, deshalb wollten wir diesen nicht komplett mit alter Kleidung wie damals um Jahr 1799 durchlaufen. Es war für uns ein eindrückliches und einmaliges Erlebnis. Es hat uns sehr gefordert. Nach diesen Tagen war ich fix und fertig. Kurz vor Corona, mitte Februar waren wir noch für 2 Wochen mit unserem VW an der Ostsee. Das Wetter war zu dieser Jahreszeit extrem mild. Wir wünschen euch weiterhin beste Gesundheit und weitere interessante Abenteuer in Australien.

  2. Hallo ihr zwei Weltenbummler
    Wir freuen uns jeweils mega, wenn wir wieder etwas von euch lesen können. Mit euren spannenden Abenteuer und coolen Fotos lässt ihr uns auch immer wieder von Australien träumen. Ein paar Spots kommen uns sehr bekannt vor. Den Quagi Beach kennen wir auch, wunderbarer Spot. Da lässt es sich während der gezwungenen Pause gut aushalten. Schön zu hören, dass es euch soweit gut geht. Wir hoffen natürlich, dass ihr eure Reise bald fortsetzen könnt. Wohin gehts denn als nächstes? Habt ihr schon wieder einen coolen Offroad Trip geplant?
    Also, take care und weiterhin vil Spass
    Moni & Roger

    1. Hallo ihr zwei
      Tja, wir sitzen immer noch in Esperance – könnte schlimmer sein. Wir hoffen dass es Ende Mai wieder weiter geht. Ganz oben auf unserer Wunschliste steht immer noch die Canning Stock Route. Mal sehen was daraus wird. Aktuell freuen wir uns einfach aufs Reisen, wie und wo auch immer…

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